Medizinstudent
From Fachschaft Medizin Göttingen
Der gemeine Medizinstudent
Der gemeine Medizinstudent gehört zu den bemitleidenswertesten Geschöpfen dieser Universität. Ständig gibt es etwas in den Kopf zu pauken, nie gibt es eine Stunde in der er sagen könnte: ich habe vollkommen frei und muss an nichts denken. Jedes Fach liefert neue Bücher, eines dicker als das andere, welche innerhalb kürzester Zeit gelernt werden müssen, jedes Fach erwartet 120% Leistung. Die Scheine muss er sich mühsam erarbeiten, jede Unterschrift bedeutet harte Arbeit. In riesigen Massenveranstaltungen ist sein einziger Trost, dass es den anderen 3499 Medizinstudenten dieser Fakultät genauso ergeht. Dazu muß er die nicht-funktionierende Doktorarbeit zwischen die ganzen Blockpraktika, Krankenpflegepraktika und Famulaturen schieben, so dass die "Vorlesungsfreie Zeit" ihren Namen verdient und zu allem Überfluss muss er in eine Zukunft blicken, in der beim knochentreibenden 24h Job die Bezahlung an die vorhandene Freizeit angeglichen wird.
Der gemeine Medizinstudent gehört aber auch zu den glücklichsten Geschöpfen dieser Universität. Er hat ein reales Fach, einen Berufsvertrag hat er schon so gut wie in der Tasche, Taxifahrenlernen braucht er nicht. Nie muss er sich groß Gedanken über den Stundenplan machen, er bekommt ihn immer passend serviert. Ganz selten nur muss er Hausarbeiten schreiben und auch dann passen sie auf 2 DinA4 Seiten. Jeglicher andere Student bewundert seinen Idealismus und seine Aufopferungsfähigkeit. Auf jeder Party ist er ein gefragter Dozent über die genaue Alkoholwirkung und private Wehwehchen kann er selbstständig behandeln. Er hat viele Freunde, da er nicht in jedem Seminar mit 100 neuen Leuten konfrontiert wird und die Ellenbogenmediziner gibt es auch erst im späteren Berufsleben. Nach dem Physikum kann er sagen: "Ich habe eine der härtesten Prüfungen dieser Universität hinter mir" und er kann sich im Recht fühlen wenn er mit Juristen und BWLern um Lernplätze im Klinikum kämpft.

