Studiendekan

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Prof. Dr. Gerhard Burckhardt
Prof. Dr. Gerhard Burckhardt

Curriculum Vitae

Studium der Medizin in Frankfurt am Main 1966-1972, Approbation als Arzt 1973, Promotion 1973, Habilitation 1988, in Göttingen seit September 1991.

Forschungsinteresse: Transportprozesse an Zellmembranen. Familienstand: verheiratet mit Prof. Dr. B. C. Burckhardt, eine erwachsene Tochter.


Herr Prof. Burckhardt, Sie übernehmen ab diesem Semester das Amt des Studiendekans. Wo sehen sie derzeit akuten Handlungsbedarf?

Lassen Sie mich vorweg meinem Vorgänger, Herrn Prof. Dr. med. Gerhard Hellige, für sein großes Engagement danken. Prof. Hellige war über viele Jahre Studiendekan unserer Fakultät und hat ganz wesentliche Änderungen wie zum Beispiel die Modularisierung der klinischen Lehre auf den Weg gebracht. Welche Probleme sind vordringlich?

  • Im CHE-Ranking schneidet Göttingen bei der Zahnmedizin hervorragend, bei der Medizin aber schlecht ab. Unter anderem vermissen die Studierenden der Humanmedizin den persönlichen Kontakt zu den Lehrenden, und es scheint ein "Wir"-Gefühl zu fehlen. Vielleicht gelingt es, durch ein fakultätsinternes Anreizsystem für gute Lehre und Betreuung eine Trendwende herbeizuführen.
  • Unsere Außendarstellung muss attraktiver werden, denn viele Abiturienten orientieren sich im Internet über mögliche Studienorte. Wir müssen die vielen Vorteile, die Göttingen allgemein und die Universitätsmedizin im Besonderen bieten, gezielt hervorheben.
  • Im klinischen Studium muss der Lernzielkatalog umgesetzt und der Stoff den Modulen zugeordnet werden. Der tägliche Stundenplan darf nicht mehr ein Flickenteppich mit vielen Leerstunden sein. Dann können auch wieder mehr Studierende während des klinischen Studiums eine experimentelle Doktorarbeit durchführen.
  • Die Erstellung eines Lernzielkatalogs für die Zahnmedizin ist wünschenswert. Dieses Vorhaben sollte mit der Umsetzung der kommenden Reform der zahnärztlichen Approbationsordnung verknüpft werden.
  • Die Lehrevaluation wird modifiziert und künftig den "gefühlten" Wissenszuwachs berücksichtigen. Die Lehrenden erhalten so eine wichtige Rückkopplung für die Gestaltung des Unterrichts.
  • Die Qualitätssicherung in der Lehre wird Gegenstand einer Begutachtung durch die ZEvA (Zentrale Evaluationsagentur) im Herbst sein. Wir sind dabei, die für eine regelmäßige Qualitätssicherung notwendigen Strukturen und Entscheidungswege zu etablieren.
  • Die von der UMG angebotenen Bachelor-, Master- und Ph.D.-Studiengänge Molekulare Medizin müssen akkreditiert werden. Für diese Studiengänge gibt es eine große Nachfrage.


Werden Sie durch die Übernahme Ihre Lehrleistung im Fach Physiologie einschränken?

Ich habe beantragt, mein Lehrdeputat um 50% zu reduzieren, da die zahlreichen Termine oft mit dem Unterricht kollidieren. Eine komplette Aufgabe der Lehre kam nicht in Frage, dazu macht mir die Lehre zu viel Freude.


Wie beurteilen Sie das Verhältnis von Studierenden zu den Professoren?

Wenn das Zahlenverhältnis gemeint ist, wäre zum Beispiel in der Vorklinik eine Reduktion der Gruppengrößen in Praktika und Seminaren auf je 10 Teilnehmer/innen aus didaktischer Sicht sehr zu begrüßen. Diese Betreuungsrelation würde den Kontakt zwischen Studierenden und Lehrenden intensivieren und das schon angesprochene Zusammengehörigkeitsgefühl stärken. Leider sind wir aber nicht frei, weil die Gruppengrößen 15 bzw. 20 als Norm vorgegeben sind und danach die Zahl der Studierenden bemessen wird.


Wie stehen Sie zum Thema Studienbeiträge?

Mit den Studienbeiträgen haben wir viele Verbesserungen erreichen können, für die sonst keine Mittel zur Verfügung gestanden hätten. Hier ist das STÄPS zu nennen, ein Trainingszentrum für praktische ärztliche Fähigkeiten, der Ausbau der Arbeitsplätze für Studierende in einem Learning Resource Center, und - nicht zu vergessen - die studentischen Tutorien. Ich finde es sehr gut, dass sich studentische Tutoren um ihre Kommilitonen kümmern und mit ihnen zum Beispiel vor einer Klausur den Stoff noch einmal durchgehen. Mit studentischem Engagement ist es auch gelungen, die Lehrbuchsammlung zu erneuern und stark zu erweitern. Die gezielte Vorbereitung auf den schriftlichen Teil des "Physikums" mit Hilfe von MediLearn wird teilweise aus Studienbeiträgen finanziert und ist ein Alleinstellungsmerkmal für Göttingen.


Halten Sie die studentische Mitbestimmung bei der Vergabe der Beiträge für sinnvoll?

Die Übertragung der Entscheidungskompetenz bezüglich der Vergabe der Studienbeiträge auf die Studienkommission (10 studentische Vertreter, 10 Mitarbeiter der UMG) stellt sicher, dass Maßnahmen ohne Zustimmung der Studierenden nicht umgesetzt werden können. Als Mitglied der Studienkommission möchte ich an dieser Stelle den sehr konstruktiven Beitrag der Studierenden über die Verwendung der Studienbeiträge hervorheben.


Göttingen hat in diesem Frühjahr Platz eins im Physikum belegt. Was muss getan werden, damit dieses Ergebnis erneut erzielt werden kann? In Göttingen wird seit zwei Semestern ein Vorbereitungskurs für das Physikum durchgeführt. Soll dieser auch mittelfristig beibehalten werden?

Platz 1 beim Bestehen des Physikums ist ein großer Erfolg. Der Prozentsatz der zutreffend beantworteten Fragen hat seit dem Herbst 2007 in allen Fächern zugenommenen, ist aber noch steigerungsfähig. Medi-Learn kann dabei helfen, und die Studienkommission wird demnächst über die Weiterführung entscheiden. Studentische Tutorien und die Entzerrung der großen Fächer im vorklinischen Unterricht tragen sicher ebenfalls zum Erfolg bei. Aus meiner Prüfungserfahrung heraus muss ich aber feststellen, dass die mündlichen mit den schriftlichen Leistungen nicht Schritt halten. Wir sollten daher vermehrt zu mündlichen Testaten übergehen, um die Fähigkeit, Sachverhalte zu formulieren, zu verbessern.


Wäre eine ähnliche Vorbereitung auch für das "Hammerexamen" denkbar?

Grundsätzlich ja, wenn es nicht mit der Ausbildung im praktischen Jahr kollidiert. Voraussetzung ist natürlich ein qualifiziertes Angebot.


In der Vorklinik werden seit nunmehr vier Semestern studentische Fachtutorien angeboten. Halten Sie dies für eine sinnvolle Ergänzung zur derzeitigen Lehre?

Die Tutorien sind eine sinnvolle Ergänzung. Ihre Qualität hängt natürlich vom Tutor ab. Hier habe ich angeregt, dass die besten Klausur- oder Testatabsolventen direkt vom Praktikumsleiter und der Fachschaft angesprochen werden mit der Bitte, sich als Tutorin/Tutor zur Verfügung zu stellen. Tutoren sammeln ihre erste Lehrerfahrung, und vielleicht wird dabei in dem einen oder anderen Fall der Grundstein für eine spätere Hochschullehrelaufbahn gelegt.


Es ist nicht leicht, in Göttingen eine Doktorarbeit zu bekommen, welche sich in angemessenem Aufwand durchführen lässt. Wie könnte man hier Abhilfe schaffen?

Die gute Betreuung von Doktorandinnen und Doktoranden erfordert viel Zeit. Wenn noch aufgrund des schon angesprochenen klinischen Stundenplans eine sinnvolle Planung der Experimente kaum möglich ist, sinkt leider die Bereitschaft zur Vergabe von Doktorarbeiten. Freiräume in einem zeitlich optimierten, klinischen Stundenplan sind ein wichtiger Weg zur Lösung. Ein zweiter Vorschlag wäre, eine erfolgreiche Dissertation stärker als bisher bei der leistungsorientierten Mittelvergabe (LOM) für Forschung zu gewichten.


Die Studierenden im klinischen Studienabschnitt bemängeln häufig den hohen Anteil an Pflichtveranstaltungen. Wo sehen Sie hier Lösungsmöglichkeiten?

Wir müssen beim Neuzuschnitt der Module darauf achten, dass der "Study load" von 25 h pro Woche nicht überschritten wird. Wenn man pro Unterrichtsstunde eine Stunde Vor-/Nachbereitung ansetzt, ergibt sich während der Vorlesungszeit eine Wochenarbeitszeit von 50 Stunden, was an der oberen Grenze liegt, zumal im klinischen Studium die Semester-"Ferien" durch Blockpraktika und Famulaturen eingeschränkt sind. Allerdings schreibt uns die Approbationsordnung eine Mindeststundenzahl vor, die wir einhalten müssen.


Die Blockpraktika im klinischen Studienabschnitt sind für viele Studierenden ein Dorn im Auge. Sie bemängeln die unterschiedliche Ausbildungsqualität. Wie kann hier Abhilfe geschaffen werden?

Blockpraktika im Umfang von mindestens 20% der Praktika sind in der Ärztlichen Approbationsordnung vorgeschrieben. Wir müssen eine Evaluation der Blockpraktika durchführen, um die Schwachstellen zu erkennen. Dann nehmen wir uns die am schlechtesten bewerteten Praktika vor und verbessern diese zusammen mit den Fachvertretern.


Plätze für Auslandspraktika und Austausche, losgelöst von Erasmus, sind an der UMG fast nicht möglich, da Partner im Ausland fehlen. Welche Maßnahmen sind zur Akquise von neuen Partnern, besonders im englischen Sprachraum geplant?

In der Tat fehlen Kooperationspartner für einen Austausch. Im Moment gibt es Kontakte im Hinblick auf einen Austausch mit Irland und Italien. Ich werde mich in dieses Thema einarbeiten und hoffe, dass wir diese und weitere Austauschmöglichkeiten ermöglichen können.


Wir danken Herrn Prof. Burckhardt für die Beantwortung dieser Fragen und wünschen Ihn einen guten Start als Studiendekan !

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